Institut für
Geldverhalten
Ein privates, unternehmensfinanziertes Institut.
Kapitel 8 von 12
Inhalt
  1. „Bei uns ist eine. Der Rest ist in Ordnung.“
  2. 1Die eine Exekution
  3. 2Knapp
  4. 3Kein Polster
  5. 4Die Sorge
  6. 5Nicht die, an die Sie denken
  7. 6Fünf Jahre Schweigen
  8. 7Was die Gerichte zählen
  9. 8Gefühlt besser, gezählt schlechter
  10. 9Der Geldstress-Index
  11. 10Warum Wissen allein nicht reicht
  12. 11Was nachweislich wirkt
  13. 12Wo der Arbeitgeber ohnehin am Hebel sitzt
  14. Ihr Betrieb: Eisberg und Kosten
  15. Methode und Quellen
Teil IV · Die Beweisführung

Gefühlt besser, gezählt schlechter

Warum beides stimmt.

48,1 → 38,7 %eher schweres Auskommen: Höchstwert 2023, Anfang 2026 (Österreich)

Die aktuellen Umfragen scheinen diesem Bericht zu widersprechen. In Österreich erreichte der Anteil der Erwachsenen, die eher schwer bis sehr schwer mit ihrem Einkommen auskommen, im dritten Quartal 2023 mit 48,1 Prozent seinen Höchstwert, Anfang 2026 lag er bei 38,7 Prozent. Seit 2022 gesunken sind auch die Anteile derer, die eine unerwartete Ausgabe nicht zahlen könnten oder mit Zahlungen in Verzug sind.

Die gezählten Fälle gingen dagegen nicht zurück: Privatkonkurse und Erstkontakte bei den Schuldenberatungen lagen 2025 rund 21 beziehungsweise 27 Prozent über 2021. Der Anstieg fiel in die Jahre bis 2023, seither bleiben beide auf diesem Niveau. 2021 war allerdings ein Corona-Tiefjahr; gegenüber 2019 lagen die Erstkontakte 2025 rund 15 Prozent höher, die Privatkonkurse rund 7 Prozent niedriger. Beides stimmt: Die Umfragen messen, wie schwer Menschen ihre Lage heute empfinden, und heute fällt es vielen leichter als auf dem Höhepunkt der Teuerung. Gerichte und Beratungsstellen zählen, was aus den vergangenen Jahren übrig geblieben ist.

Entspannung vom Krisenhoch ist keine Rückkehr zur Normalität.

Zudem liegt der Anteil deprivierter Erwerbstätiger in Österreich mehr als die Hälfte über 2019, in Deutschland 29 Prozent über 2020. Und 2026 dreht sich die Richtung wieder: Im September lagen die Energiepreise in Österreich 15,1 Prozent über dem Vorjahr, die Inflation stieg auf 3,6 Prozent. In Deutschland stieg die Angst vor stark steigenden Lebenshaltungskosten binnen eines Jahres von 52 auf 59 Prozent. Ob das in den Umfragen ankommt, zeigt die nächste Welle von „So geht’s uns heute“.

Quellen
Umfrage
Statistik Austria, „So geht’s uns heute“, Wellen 1–18 (Q4/2021–Q1/2026), Tabellenbände; ab Q1/2023 18–74 Jahre statt 16–69; abgefragter Betrag 1.300 € bis 1.660 €.
Gezählte Fälle
KSV1870 (Privatkonkurse 2021: 7.227, 2025: 8.766); ASB (Erstkontakte 2021: 16.971, 2025: 21.599).
Preise
Statistik Austria, VPI September 2026.
Deprivation
Eurostat EU-SILC (ilc_mdsd01), Erwerbstätige; DE ab 2020 wegen Methodenbruch.
Ängste DE
R+V, „Die Ängste der Deutschen 2026“, 01.10.2026 (Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten).

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