Knapp
Wer heute schon nicht über die Runden kommt.
Die erste Schicht unter der Wasserlinie bilden Menschen, bei denen das Geld schon jetzt nicht mehr reicht. Die Statistik spricht von materieller und sozialer Deprivation, wörtlich: Entbehrung. Gemeint ist, dass Dinge fehlen, die in Europa als normal gelten, etwa die Wohnung angemessen zu heizen, abgenutzte Kleidung zu ersetzen oder einmal im Monat etwas mit Freunden zu unternehmen. Als depriviert gilt, wer bei mehreren dieser Punkte passen muss.
Daneben steht die Gruppe, die nach eigener Angabe nur mit Schwierigkeiten oder großen Schwierigkeiten über die Runden kommt: In Österreich sind das 8,6 Prozent der Erwerbstätigen, in Deutschland 5,6 Prozent. In Deutschland ist dieser Anteil seit 2020 um fast die Hälfte gestiegen.
Wo die Not schon sichtbar wird
In Deutschland führten Ende 2025 2,82 Millionen Menschen ein Pfändungsschutzkonto, rund vier Prozent der Erwachsenen. So viele waren es noch nie. Auf einem solchen Konto bleibt ein Grundbetrag vor Pfändungen geschützt. Zu 8,1 Prozent der Erwachsenen liegt der SCHUFA, einer Auskunftei, die in Deutschland Daten zur Kreditwürdigkeit sammelt, mindestens ein Negativeintrag vor, etwa eine offene Forderung oder ein Eintrag im Schuldner- oder Insolvenzregister. Das sind mehr als in jedem der vier Vorjahre. Zudem gerieten 2025 rund 12 Prozent mehr Menschen erstmals in Zahlungsrückstand als im Jahr davor.
In der Schweiz lebten 2024 16,5 Prozent der Erwerbstätigen in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand. 2021, im Tiefpunkt der Reihe, waren es 11,2 Prozent, vor der Pandemie 2019 14,5 Prozent. Dort zählen auch offene Steuern und Krankenkassenprämien mit. Deshalb ist das Niveau nicht direkt mit Österreich und Deutschland vergleichbar. 2025 wurden Einkommenspfändungen zum ersten Mal landesweit gezählt: Die Betreibungsämter, die in der Schweiz Forderungen zwangsweise eintreiben, vollzogen 828.751 davon. Darin sind neben Löhnen auch Renten und Taggelder enthalten, also Ersatzeinkommen etwa bei Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit.
In einem Betrieb mit 140 Beschäftigten
Österreich: rund 5 depriviert, 12 kommen nur mit Schwierigkeiten oder großen Schwierigkeiten über die Runden. Deutschland: rund 11 depriviert. Schweiz: rund 23 mit mindestens einem Zahlungsrückstand.
Quellen
- Deprivation, subjektive Armut
- Eurostat EU-SILC (ilc_mdsd01, 18–64 J.; ilc_sbjp03), Erwerbstätige; DE ab 2020 wegen Methodenbruch. CH: BFS SILC, Erwerbstätige ab 18 J.
- P-Konten, SCHUFA
- SCHUFA Risiko- und Kreditkompass 2026, Kap. 2.3 bis 2.5.
- Zahlungsrückstände CH
- BFS SILC 2024, Erwerbstätige nach häufigstem Erwerbsstatus.
- Einkommenspfändungen CH
- BFS, Betreibungs- und Konkursstatistik 2025 (neue Erhebung, kein Vorjahresvergleich; Art. 93 SchKG; gezählt werden Pfändungen, nicht Personen).
Wie sieht das in Ihrem Betrieb aus?
Betrieb berechnen →