Geldverhalten Monitor · Ausgabe 1 · Oktober 2026

Meistens Verzicht, selten Kredit.

Was Haushalte tun, wenn das Geld nicht reicht. Wenn das Geld nicht reicht, machen die meisten Menschen keine Schulden. Sie verzichten.

Wichtigste Maßnahme bei schlechterem Auskommen, Österreich, 1. Quartal 2026 · frei verwendbar unter CC BY 4.0

Statistik Austria fragt seit Ende 2021 in der Erhebung „So geht’s uns heute“ jene Befragten, die Schwierigkeiten mit den laufenden Ausgaben haben oder mit ihrem Haushaltseinkommen schlechter auskommen als ein Jahr davor, welche Maßnahme sie daraufhin als wichtigste ergriffen haben. Über zehn Wellen hinweg, von Anfang 2023 bis Anfang 2026, ergibt sich ein bemerkenswert ruhiges Bild.

Rund die Hälfte nennt das Kürzen der Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung und andere Waren. Knapp ein Drittel greift vor allem auf Ersparnisse zurück. Zwischen vier und neun Prozent leihen sich Geld von Familie oder Freunden. Drei bis vier Prozent nehmen einen Kredit auf oder erhöhen einen bestehenden.

Im ersten Quartal 2026 lauten die Werte 52, 28, 8 und 3 Prozent. Schulden im engeren Sinn, also ein Kredit, sind damit für 3 von 100 Betroffenen die wichtigste Reaktion. Verzicht für 52.

52 %Ausgaben kürzen
28 %Ersparnisse angreifen
8 %Von Familie oder Freunden leihen
3 %Kredit aufnehmen oder erhöhen

Anteil an den Betroffenen, wichtigste Maßnahme. Österreich, 1. Quartal 2026 (erhoben Februar und März 2026). 9 % nannten eine andere oder keine Maßnahme.

Was sich ändert, ist nicht das Verhalten

Zwischen dem dritten Quartal 2024 und dem ersten Quartal 2026 ist der Anteil der Betroffenen an der Bevölkerung von 50 auf 33 Prozent gefallen. Das sind siebzehn Prozentpunkte in anderthalb Jahren.

Im selben Zeitraum bewegte sich der Anteil derer, die einen Kredit nennen, zwischen drei und vier Prozent. Ein einziger Prozentpunkt. Die Rangfolge der vier Antworten war in allen zehn Erhebungen dieselbe.

Die Konjunktur entscheidet also darüber, wie viele Menschen betroffen sind. Sie entscheidet nicht darüber, wie sie reagieren. Die häufigste Antwort auf eine Enge ist der Verzicht beim Einkauf. Das galt auf dem Höhepunkt der Teuerung, und es galt Anfang 2026, als sich die Lage entspannt hatte.

Zeitreihe: Anteil der Betroffenen und die vier Maßnahmen, zehn Wellen von 2023 bis 2026
Zehn Wellen, Q1/2023 bis Q1/2026 · frei verwendbar unter CC BY 4.0
Wichtigste Maßnahme, Anteil an den Betroffenen in %
WellebetroffenkürzenErsparnisseleihenKredit
Q1/2023–503143
Q1/2024–503054
Q2/2024–512874
Q3/202450 %463493
Q4/202451 %492983
Q1/202550 %502884
Q2/202550 %512873
Q3/202537 %513064
Q4/202537 %493084
Q1/202633 %522883

„betroffen“ = Anteil an der Bevölkerung 18 bis 74; nicht in jeder Welle ausgewiesen (–). Q1/2023 fragte nur Personen mit Einkommensverlusten und ist nicht voll vergleichbar.

Wer nichts auf der Seite hat

28 Prozent der Betroffenen nennen den Rückgriff auf Ersparnisse als wichtigste Maßnahme. Das setzt voraus, dass welche da sind.

Nach dem Household Finance and Consumption Survey der Oesterreichischen Nationalbank können 17 Prozent der österreichischen Haushalte überhaupt nichts auf die Seite legen. Für diese Haushalte fällt die zweithäufigste Antwort weg. Ihnen bleiben Verzicht, Leihen und Kredit.

Das ist der Unterschied zwischen einem teuren Winter und einem Verfahren.

Was das in einer Belegschaft heißt

Von diesen Reaktionen wird ein Arbeitgeber in aller Regel keine einzige sehen. Sparen beim Einkauf, ein angegriffenes Sparbuch, ein Darlehen vom Bruder, ein aufgestockter Kredit: Nichts davon erzeugt ein Dokument, das im Betrieb ankommt.

Was im Betrieb ankommen kann, ist ein Gerichtsbeschluss in der Lohnverrechnung. 2023 waren mindestens 150.052 erwerbstätige Menschen in Österreich von mindestens einem Exekutionsverfahren betroffen, das sind 3,3 Prozent aller Erwerbstätigen.

Deshalb erscheint das Thema in Betrieben als Einzelfall und nicht als Muster. Was im Haushalt davor passiert, bleibt unsichtbar, und zwar konstruktionsbedingt.

Was in diesen Zahlen noch nicht steht

Die jüngste Welle wurde im ersten Quartal 2026 erhoben. Die Drohnenangriffe auf die saudi-arabische Ost-West-Pipeline ab dem 10. September 2026 und die seither gestiegenen Energiepreise sind in keiner dieser Zahlen enthalten. Laut Schnellschätzung von Statistik Austria lag die Inflation im September 2026 bei 3,6 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Der Anstieg geht zur Gänze auf Treibstoffe und Heizöl zurück, Energie war um 14,5 Prozent teurer als ein Jahr davor.

Ob und wie stark der Anteil der Betroffenen wieder steigt, ist offen. Diese Ausgabe trifft dazu keine Aussage. Ihr Befund betrifft nicht die Höhe der Belastung, sondern die Art der Reaktionen, und deren Rangfolge war über drei Jahre stabil.

Hinzu kommt: Die Erhebung läuft ab der nächsten Welle nur noch halbjährlich statt vierteljährlich. Die Wirkung des Herbstes wird daher erst mit deutlicher Verzögerung sichtbar.

Häufige Fragen

Heißt das, Menschen kürzen erst und nehmen später einen Kredit?

Das lässt sich aus diesen Daten nicht ablesen. Gefragt wurde nach der wichtigsten Maßnahme, jede Person nennt eine. Die Zahlen zeigen, wie häufig welche Reaktion im Vordergrund steht, nicht in welcher zeitlichen Abfolge jemand vorgeht.

Warum keine neueren Zahlen?

Die Welle aus dem ersten Quartal 2026 ist die jüngste, die Statistik Austria veröffentlicht hat (Erhebung Februar und März, Veröffentlichung Ende Juni 2026). Die Aussage dieser Ausgabe hängt nicht an einem einzelnen Zeitpunkt: Die Rangfolge der Maßnahmen war in allen zehn Wellen dieselbe, bei hoher wie bei niedriger Belastung.

Wer wurde befragt?

Personen von 18 bis 74 Jahren in Österreich, zuletzt 3.522, gewichtet. Die Frage nach der wichtigsten Maßnahme ging an jene, die Schwierigkeiten mit den laufenden Ausgaben hatten oder (viel) schlechter auskamen als ein Jahr davor.

Kann man die 17 Prozent und die 28 Prozent verrechnen?

Nein. Die 17 Prozent beziehen sich auf Haushalte, die 28 Prozent auf betroffene Personen. Die Gegenüberstellung zeigt eine Größenordnung, keine Teilmenge.

Lässt sich das auf einen einzelnen Betrieb übertragen?

Nicht direkt. Alle Werte sind Bevölkerungsdurchschnitte. Sie beschreiben, wie häufig etwas vorkommt, nicht wer in einem bestimmten Betrieb betroffen ist.

Quellen und Annahmen

Erhebung
STATISTIK AUSTRIA, „So geht’s uns heute“ (Soziale Krisenfolgen), Wellen 6 (Q1/2023) bis 18 (Q1/2026). Welle 18: n = 3.522, gewichtet, repräsentativ für die 18- bis 74-Jährigen in Österreich.
Frage und Basis
Wichtigste Maßnahme als Reaktion auf das schlechtere Auskommen. Basis: Befragte mit Schwierigkeiten bei den laufenden Ausgaben oder (viel) schlechterem Auskommen als ein Jahr davor.
Zeitreihe
Welle 6 (Q1/2023) befragte nur Personen mit Einkommensverlusten, der Wert steht zur Einordnung. Ab Welle 10 ist die Abgrenzung einheitlich. Wellen 7 und 8 enthalten die Frage nicht, Welle 9 nur für Personen mit Einkommensverlusten (nicht dargestellt). Welle 11 aus dem Tabellenband, übrige Wellen aus den Quartalsberichten.
Zwei Bezugsgrößen
Der Anteil der Betroffenen bezieht sich auf die Bevölkerung, die Maßnahmen auf die Betroffenen. Beide dürfen nicht gegeneinander gerechnet werden.
Haushalte ohne Sparmöglichkeit
Oesterreichische Nationalbank, Household Finance and Consumption Survey, Pressekonferenz vom 4. Dezember 2025. Haushalte statt Personen, daher als Größenordnung zu lesen.
Exekutionsverfahren
STATISTIK AUSTRIA im Auftrag des BMASGPK, „Übernahme und Analyse von Exekutionsdaten“, November 2025, Tabelle 42. Die Absolutzahlen sind laut Bericht Untergrenzen.
Verbraucherpreise
STATISTIK AUSTRIA, VPI-Schnellschätzung September 2026 vom 2. Oktober 2026, vorläufig; endgültige Werte am 16. Oktober 2026.
Ost-West-Pipeline
Drohnenangriffe am 10. September 2026 (CNBC, 11. September; Al Jazeera, 12. September). Beschrieben wird nur der Anlass, nicht der laufende Betriebszustand.
Keine Prognose
Diese Ausgabe enthält keine Aussage über die künftige Preisentwicklung und keine Schätzung, wie sich der Energiepreisschock auf die Zahl der Betroffenen auswirkt.
Zum Zitieren

„Wer in Österreich schlechter mit dem Einkommen auskommt als ein Jahr davor, nennt als wichtigste Maßnahme meist Verzicht: 52 % kürzen die Ausgaben, 28 % greifen auf Ersparnisse zurück, 8 % leihen bei Familie oder Freunden, 3 % nehmen einen Kredit auf. (Geldverhalten Monitor, Ausgabe 1/2026, auf Basis Statistik Austria; geldverhalten.org/monitor)“

Korrekturen

Bisher keine. Sachliche Fehler werden hier korrigiert und mit Datum ausgewiesen.

Der Monitor beschreibt, was ist. Keine Prognose, keine Beratung. Grafiken und Video frei verwendbar unter CC BY 4.0. Stand: Oktober 2026.

Presse & Daten

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